Katechismustafel

                                                                       
Deutsche Sprache in der Kirche- schon vor Luther

Ein Beleg dafür ist die Kusanus-Tafel . In der Lambertikirche befindet sich die Replik. Das Original befindet sich im Römer-u. Pelizaeus-Museum.

Katechismustafel

(Bild: Roemer-u.Pelizaeusmuseum) Für detaillierte Informationen verweisen wir auf die von Frau Dr. Wulf erstellte Analyse. Sie finden sie hier.

Diese Tafel geht auf einen Besuch von Kardinal Nikolaus von Kues in Hildesheim zurück ( Juli 1452). Nikolaus von Kues  wurde vom päpstlichen Stuhl zu einer Legationsreise durch Deutschland geschickt.Um in der Beichte losgesprochen zu werden, mussten die Beichtenden 4 Glaubensstücke beherrschen: Vaterunser, Ave Maria, 10 Gebote, Glaubensbekenntnis.Damit die Gläubigen die Texte verstehen konnten, wurden sie in dem Hildesheimer Plattdeutsch der damaligen Zeit abgeschrieben.Wenn der Kardinal die Tafel mit der Mahnung abschließt „Wer nicht ein hält diese zehn Gebote, der mag niemals zu Gott kommen“ kommt der Kardinal in seinen Reformbemühungen den kirchlichen Forderungen der Zeit nach. Der unbekannte Verfasser der „Lehre von den fünf Worten“ schrieb :

“Der lay und auch ein ygleich mensch ist schuldig zu wissen dy ding, an dy er nicht mag behalten und salig werden, als den glauben, den pater noster und ave maria, dy gepot unßers herrn, das er dy halt und vor pösen dingen sich müg gehüeten.“

Wer diese vier Stücke nicht kannte, wurde in der Beichte nicht losgesprochen.Der Schreiber ist wahrscheinlich ein Einwohner der Stadt, der Hildesheimer Umgebung, vielleicht auch ein Geistlicher der Stadt gewesen. Die Beschaffung des Holzes, die Trocknung, das Auftragen des Malgrundes, die Übertragung in Hildesheimer Mundart, Vor- und Nachzeichnen auf die präparierte Tafel brauchte Zeit. Im Gegensatz zu früheren Arbeiten kommen Köhler und Schneider(siehe Literatur unten) zu dem Ergebnis, dass der Text in der vorliegenden Form sehr bewußt gestaltet wurde und keinerlei Textergänzungen nötig sind. Auch die von oben nach unten abnehmende Schriftgröße sei aus Gründen der besseren Lesbarkeit der oberen Zeilen bewusst gewählt.

Der Text der Tafel

 Den Text der Tafel können Sie hier in einem pdf-Dokument aufrufen, den Versuch einer Übersetzung in heutiges Deutsch können Sie hier öffnen.

Literatur

Wir verweisen neben der Homepage der Akademie der Wissenschaften auf einen älteren und einen neueren Aufsatz

- Rieckenberg, H.J.(1983) Die Katechismus.Tafel des Nicolaus von Kues in der Lamberti-Kirche zu Hildesheim. In: DA 39 pp 555-581

-Köhler,J./Schneider W.C. ( 2011) "Dass Sie das Vater Unser und den Glauben nicht recht sprächen" - Die Cusanus-Lehrtafel in der Lambertikirche in Hildesheim: Eine Text-Icona in Coincidentia 2/2- 2011 "Entfaltungen der Welt" p 367-402

Der letztgenannte Aufsatz kommt u.E. in zwei Punkten zu anderen Ergebnissen als frühere Arbeiten.

1.) Vermuteten frühere Arbeiten an einigen Stellen Schreibfehler und mutmaßten so über eigentlich notwendige Textergänzungen, meinen Köhler und Schneider von einer sehr sorgfältigen und bewußten Textgestaltung ausgehen zu können. Sie machen dies u.a. fest an dem eingefügten "unß" in der letzten Zeile des Vaterunsers.

2.) Auch die unterschiedliche Schriftgröße ( von oben nach unten abnehmend) vermuten sie als bewußt gewählt, damit die oberen Zeilen genau so gut lesbar waren wie die unteren Zeilen, die dem Betrachter näher waren.